Kiezkönige

Eine Ausstellung der Gruppe 5-Raum-Wohnung

Zum Projekt Bauhaus 2009

Eröffnung

am 8.8.2009 um 20:00 Uhr

Laudatio

Kai Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle Erfurt

Tanz

Ester Ambrosino, Daniela Backhaus, Auszüge aus: Bauhaustanz - Oskar Schlemmers Experimentierfeld

Im Jahre 1995 fanden sich unter dem Namen 5-Raum-Wohnung in der Thüringischen Landeshauptstadt Künstler zusammen, die sehr unterschiedlich arbeiten, dennoch eins im Sinn hatten: ihre Kunst muss auch außerhalb des ästhetischen Kreisbetriebs etwas bewirken - Unruhe stiften, Irritationen auslösen und ins Mark des sozialpolitischen Gesellschaftskörpers treffen. DADA, Martin Kippenberger, „Die tödliche Doris" und die hier und da aufkeimende Hoffnung der Neunzigerjahre auf eine politische Kunst könnten die Patenschaft übernommen haben. Dieser und jener fand zur 5-Raum-Wohnung und verließ sie wieder. Ein Mitglied zu sein bedeutet nicht, sich einem Einheitsstil zu unterwerfen. Jeder folgte weiterhin dem eigenen Kunstwollen und –können. Wie es eben in einer WG üblich ist, einigt man sich auf einen verbindlichen Rahmen, innerhalb dessen ist flexibles Agieren angesagt. Armin Hauer

Für die Ausstellung Kiezkönige anlässlich des Projektes Bauhaus 2009 haben sich Carlo Bansini, Wolfgang Harth, Verena Kyselka, Gunther Lerz und Thomas Nicolai für ein weiteres Projekt zusammengefunden. Das Bauhaus gilt heute weltweit als Avantgardestätte der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst. Im Bauhaus wurden bislang traditionell getrennte Bereiche der Bildenden, Angewandten und Darstellenden Kunst von verschiedenen Protagonisten in einem erweiterten Kunstbegriff miteinander verbunden.

„Das Bauhaus erstrebt die Sammlung allen künstlerischen Schaffens zur Einheit, die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen.“
Walter Gropius

Dies hatte andererseits auch wiederum eine starke Ausstrahlung auf Malerei, Darstellende Kunst und Musik, und fand Eingang in die Begriffe wie Funktionalismus, klassische Moderne, neue Sachlichkeit, internationaler Stil und neues Bauen. Typisch wie das Bauhaus vom Gründer Walter Gropius als eine Arbeitsgemeinschaft gedacht war, fügt die Künstlergruppe 5-Raum Wohnung unterschiedliche Stile und Arbeitsmethoden in der Ausstellung zusammen. Die Gruppe 5-Raum-Wohnung spürt in der Ausstellung Kiezkönige den herausragen-den Künstlerpersönlichkeiten und der neuen Formensprache der damaligen Protagonisten nach und transformiert die Konzepte von damals in die heutige Zeit. Die 5 Künstler präsentieren ihre persönliche Hommage an die damaligen Hauptdarsteller. Mittels Fotografie, Video, Installation, Malerei und Objekten werden aktuelle verborgene Einflüsse und Bauhaus-Positionen unter einem erweiterten Kunstbegriff emotionalisiert.

Wolfgang Harth erinnert in seiner Arbeit an die politischen Zusammenhänge. 1933 wurde das Bauhaus durch die Nationalsozialisten zur Selbstaufgabe gezwungen. In seiner Serie von 5 mittelformatigen Ölbildern thematisiert er Kontrolle und Stille, sowie dadaistische Widerstandsformen der freien Kunst.

Die Situation der Frauen am Bauhaus kommentiert Verena Kyselka, in ihrer für diese Ausstellung neu entstandenen Arbeit. Nachdem die neue Weimarer Verfassung den Frauen uneingeschränktes Lernrecht gewährte, kamen in den Anfangsjahren mehr Frauen als Männer ans Bauhaus. Einige von ihnen entschieden sich bewusst für die Weberei, die Mehrheit aber wurde vom Meisterrat in die Weberei geschickt. In ihrer Installation greift sie auf die typisch weiblichen Webrahmen zurück und bedient sich für einen durchaus humorvollen Blick des Trickfilms.

Auf den bildnerischen Spuren von Paul Klee ist Gunther Lerz, der Bezug auf eine Gemäldeserie des bekannten Bauhäuslers zu seiner legendären Ägyptenreise nimmt. Die Gemälde-Objekt-Installation „Pyramiden für Paul Klee“ visualisiert seine ägyptische Gemäldeserie in eine dritte Dimension.

Ganz im Sinne des Bauhauses, das Kunst und Technik als neue Einheit formulierte und die Entwicklung von Prototypen für eine seriell-industrielle Fertigung als einen programmatischen Schwerpunkt sah, stellt Thomas Nicolai sein Medienfassaden-projekt DAISY.WORLD vor. Anhand der Natur nachempfundener Regeln errechnet die Computersimulation das dynamische Wachstumsverhalten zweier künstlicher Blumenpopulationen, die sich als lebendige Bilder an Fassaden visualisieren.

Carlo Bansinis Fotoserie entstand in den letzten zwei Jahren beim Besuch verschiedener Seniorenheime in Thüringen. Entstanden ist eine Werkreihe von Porträtfotografien, die eines der drängenden und doch meist verdrängten Themen unserer Gesellschaft künstlerisch hinterfragt.

Wir danken der Kulturdirektion der Stadt Erfurt für die freundliche Unterstützung.

KULTURHOF ZUM GÜLDENEN KRÖNBACKEN
www.kroenbacken.de