Verena Kyselka
DIE FRAUENKLASSE
Videoinstallation
bestehend aus 20 Handwebrahmen und einem Animationsfilm, DVD Laufzeit 2,5 min, 2009
Kontext:
Als mit Gründung des Bauhauses Walter Gropius 1919 sein Programm proklamierte, entsprach die neue Satzung der progressiven Politik, Universitäten und Kunstakademien endlich den Frauen zu öffnen. In einem Paragraphen darin hieß es:
„Aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Vorbildung vom Meisterrat des Bauhauses als ausreichend erachtet wird “,entsprach diese Regel
Das Bauhauskonzept Handwerk mit Kunst zu verbinden, begeisterte viele junge Frauen derart, dass sie sich scharenweise um Aufnahme bewarben, während die Männer sich erst nach und nach am Bauhaus einschrieben, weil sie erst allmählich aus dem 1.Weltkrieg zurückkehrten. Der hohe Frauenanteil beunruhigte den Meisterrat, weil den kunstschaffenden Frauen immer noch das Attribut des kunstgewerblichen Zeitvertreibs anhaftete und sich das Bauhaus den Kampf gegen den kunstgewerblichen Dilettantismus zum Ziel gesetzt hatte. Die Bauhausstudentinnen wurden für viele Kurse nicht zugelassen. Man schickte die Frauen daher bevorzugt in die Weberei, wogegen den männlichen Kommilitonen sämtliche Werkstätten am Bauhaus offen standen.
Im Jahr 1920 wurde „Die Frauenklasse“ gegründete mit der sich die Webereiwerkstatt verband. Mit dieser Gründung war die Bemühung verknüpft, die weiblichen Studierenden aus allen Arbeitsbereichen möglichst herauszuhalten. Viele Studentinnen wurden vom Meisterrat in die Weberei gedrängt. Sich diesem Bestrebung zu widersetzen und in andere Bereiche des Bauhauses durchzudringen setzte bei den Frauen großes Selbstbewusstsein voraus, wobei sie in ihrer Arbeit wesentlich besser als ihre männlichen Kollegen sein mussten.
Die Weberei mit ihrer „Frauenklasse“ bot als einziges weiblich definiertes Arbeitsgebiet die notwendige Legitimation für die Leitung durch die Meisterin Gunta Stölzl, die einzige Frau zwischen den männlichen Bauhausmeistern. Dieser Bereich wurde schon bald zu einer der produktivsten Werkstätten und hatte kommerziellen Erfolg. Die meisten Bauhausfrauen hingegen blieben im Vergleich zu den männlichen Kollegen unbekannt. Später konnten sich einige Künstlerinnen der „Frauenklasse“ in anderen kunsthandwerklichen Bereichen profilieren.
In der Theorie von Johannes Itten entspricht der Kreis dem Weiblichen und der Farbe Blau, während das Quadrat dem männlichen und der Farbe Rot zugeordnet wird.
In dem handgezeichneten Animationsfilm wird diese Symbolik aufgegriffen und in dem Kontext des Geschlechterkonflikts gestellt.
Die Handwebstühle verweisen auf die Frauenklasse. Die blauen Kreise setzen sich in blauen Wollknäuel fort. Die Wolle ist verbunden mit den Webstühlen oder hängt als abgerissener Faden zwischen der Kette des Webstuhles. Die Wollfäden versinnbildlichen die Lebenswege der einzelnen Bauhauskünstlerinnen aus der einstigen Frauenklasse.
Website: www.verena-kyselka.de